Biblische Krankheiten und Makkaroni mit Schinken
Im Schriftenarchiv des Heimatvereins / Gert Hohmann
und Alfons Nordlohne verwalten die ZeitdokumenteLohne (hib) -
Ferdinand Heseding aus Brockdorf war ruhig, bescheiden, freundlich und machte im
Verlauf seines Studiums gute Fortschritte. Das haben die Lohner sogar
schriftlich. Denn das Zeugnis des 1861 geborenen Lehrers, ausgestellt 1870 in
Vechta, lagert im Schriftenarchiv des Heimatvereins. Und auch wenn es nicht das
wertvollste Exemplar in der Sammlung ist—das Papier, finden die Archivare Alfons
Nordlohne und Gert Hohmann, ist ein wichtiges Zeitdokument. „Für uns", sagt
Nordlohne und blickt sich im Archivraum um, „ist jedes Einzelstück ein Schatz."
Über 4000 Dokumente - von der Urkunde bis zum Gästebuch der Jugendherberge
Hopen, von Klassenbüchern bis zum Roman - lagern im Schriftenarchiv. Grundstock
der rund 100 Jahre alten Sammlung war das Schularchiv des Lehrers Lückmann.
„Ursprünglich aufbewahrt wurde sie in der Knabenschule", weiß Nordlohne. Als der
Materialberg wuchs, stand der erste Umzug der Zeitzeugen aus Papier an in das
alte Rathaus. Der zweite Umzug folgte nach dem Neubau des neuen Rathaus. Nummer
drei war ein hausinterner Kraftakt- in die ehemaligen Räume der Polizei im
Keller des Rathauses.
Unermüdlich
arbeiten Nordlohne und Hohmann - mittlerweile natürlich am PC — hier an der
systematischen Erfassung der Sammlung. Und die wächst stetig. Immer wieder,
erzählt Hohmann, brächten die Lohner Papiere oder Bücher vorbei, die sie beim
Aufräumen von Dachboden oder Keller gefunden hätten. „Wir nehmen alles", betont
Nordlohne. Auch neue Publikationen.
Aufbewahrt wird natürlich nur, was zur Sammlung passt. Unterteilt ist die in
unterschiedliche Schwerpunktbereiche: Lohner Literatur etwa oder heimatkundliche
Gesetzessammlungen. Auch die OV, verrät Hohmann kann eingesehen werden.
„Erhalten sind die kompletten Ausgaben von 1914 bis 1922, eine Sammlung von
Artikeln aus dem Zeitraum von 1949 bis 1970 und der Lokalteil der OV seit 1982."
Fast vollständig vorhanden seien überdies die Heimatblätter. Willkommen ist im
Archiv jeder, der sich für Heimatkunde interessiert. Die Mehrzahl der Anfragen,
erklärt das Archivar-Duo, dienten allerdings der Erforschung der eigenen
Familiengeschichte. Und so müssen die Familienchronik von Pagenstert, verfasst
im Jahre 1927, und das Namen -und Taufregister der Gemeinde St. Gertrud, geführt
von 1683 bis 1830 häufig aus dem massiven Schrank geholt werden, in dem die
besonders wertvollen Dokumente verwahrt werden.
Einen Platz hat das Armenverzeichnis von 1801 dort zwar nicht. Trotzdem, findet
Nordlohne, gehört es zu den besonderen Exemplaren der Sammlung. Eine Rarität ist
auch die „Medizinisch-hermeneutische Untersuchung derer in der Bibel
vorkommenden Krankengeschichten" aus dem Jahr 1794 oder ein Buch aus dem Jahre
1737, das die sparsamen Verfasser gleich doppelt beschrieben haben: Allgemeine
Aufzeichnung kann nachlesen, wer das Werk von der einen, eine Übersicht über
bezahlte Rechnungen, wer es von der andere Seite aufschlägt.
Und noch ein weiteres Exemplar zieht Nordlohne, wenn er nach ungewöhnlichen
Archiv-Objekten gefragt wird, aus dem Regal: Das „Große, illustrierte Kochbuch",
gedruckt 1900. Eine Privatperson, erinnert sich der Archivar, habe es dem
Heimatverein überlassen. Der Zustand: bedenklich. Und so musste das Schriftwerk
erst mal zum Buchbinder. Jetzt ist es wieder in einem guten Zustand und beweist:
Ein Rezept für Makkaroni mit Schinken gab es in mindestens einem Lohner Haushalt
schon vor über 100 Jahren.
• Das Schriftenarchiv des Heimatvereins ist immer dienstags von 17 bis 19 Uhr im
Rathaus (Westeingang) geöffnet. Terminvereinbarungen sind unter Telefon
04442/886100 oder bei Alfons Nordlohne, Telefon 4910 oder Gert Hohmann, Telefon
6148, möglich.
Foto: hib - Archivarbeit: Alfons Nordlohne (links) und Gert Hohmann
kümmern sich um das Schriftenarchiv des Heimatvereins. |