Heimatverein Lohne e.V.
Presseschau:   - OV vom 31. Juli  2004 -
------------------ OLDENBURGER MÜNSTERLAND --------------------

Biblische Krankheiten und Makkaroni mit Schinken
Im Schriftenarchiv des Heimatvereins / Gert Hohmann und Alfons Nordlohne verwalten die Zeitdokumente

Lohne (hib) - Ferdinand Heseding aus Brockdorf war ruhig, bescheiden, freundlich und machte im Verlauf seines Studiums gute Fortschritte. Das haben die Lohner sogar schriftlich. Denn das Zeugnis des 1861 geborenen Lehrers, ausgestellt 1870 in Vechta, lagert im Schriftenarchiv des Heimatvereins. Und auch wenn es nicht das wertvollste Exemplar in der Sammlung ist—das Papier, finden die Archivare Alfons Nordlohne und Gert Hohmann, ist ein wichtiges Zeitdokument. „Für uns", sagt Nordlohne und blickt sich im Archivraum um, „ist jedes Einzelstück ein Schatz." Über 4000 Dokumente - von der Urkunde bis zum Gästebuch der Jugendherberge Hopen, von Klassenbüchern bis zum Roman - lagern im Schriftenarchiv. Grundstock der rund 100 Jahre alten Sammlung war das Schularchiv des Lehrers Lückmann. „Ursprünglich aufbewahrt wurde sie in der Knabenschule", weiß Nordlohne. Als der Materialberg wuchs, stand der erste Umzug der Zeitzeugen aus Papier an in das alte Rathaus. Der zweite Umzug folgte nach dem Neubau des neuen Rathaus. Nummer drei war ein hausinterner Kraftakt- in die ehemaligen Räume der Polizei im Keller des Rathauses.
Unermüdlich arbeiten Nordlohne und Hohmann - mittlerweile natürlich am PC — hier an der systematischen Erfassung der Sammlung. Und die wächst stetig. Immer wieder, erzählt Hohmann, brächten die Lohner Papiere oder Bücher vorbei, die sie beim Aufräumen von Dachboden oder Keller gefunden hätten. „Wir nehmen alles", betont Nordlohne. Auch neue Publikationen.
Aufbewahrt wird natürlich nur, was zur Sammlung passt. Unterteilt ist die in unterschiedliche Schwerpunktbereiche: Lohner Literatur etwa oder heimatkundliche Gesetzessammlungen. Auch die OV, verrät Hohmann kann eingesehen werden. „Erhalten sind die kompletten Ausgaben von 1914 bis 1922, eine Sammlung von Artikeln aus dem Zeitraum von 1949 bis 1970 und der Lokalteil der OV seit 1982." Fast vollständig vorhanden seien überdies die Heimatblätter. Willkommen ist im Archiv jeder, der sich für Heimatkunde interessiert. Die Mehrzahl der Anfragen, erklärt das Archivar-Duo, dienten allerdings der Erforschung der eigenen Familiengeschichte. Und so müssen die Familienchronik von Pagenstert, verfasst im Jahre 1927, und das Namen -und Taufregister der Gemeinde St. Gertrud, geführt von 1683 bis 1830 häufig aus dem massiven Schrank geholt werden, in dem die besonders wertvollen Dokumente verwahrt werden.
Einen Platz hat das Armenverzeichnis von 1801 dort zwar nicht. Trotzdem, findet Nordlohne, gehört es zu den besonderen Exemplaren der Sammlung. Eine Rarität ist auch die „Medizinisch-hermeneutische Untersuchung derer in der Bibel vorkommenden Krankengeschichten" aus dem Jahr 1794 oder ein Buch aus dem Jahre 1737, das die sparsamen Verfasser gleich doppelt beschrieben haben: Allgemeine Aufzeichnung kann nachlesen, wer das Werk von der einen, eine Übersicht über bezahlte Rechnungen, wer es von der andere Seite aufschlägt.
Und noch ein weiteres Exemplar zieht Nordlohne, wenn er nach ungewöhnlichen Archiv-Objekten gefragt wird, aus dem Regal: Das „Große, illustrierte Kochbuch", gedruckt 1900. Eine Privatperson, erinnert sich der Archivar, habe es dem Heimatverein überlassen. Der Zustand: bedenklich. Und so musste das Schriftwerk erst mal zum Buchbinder. Jetzt ist es wieder in einem guten Zustand und beweist: Ein Rezept für Makkaroni mit Schinken gab es in mindestens einem Lohner Haushalt schon vor über 100 Jahren.
• Das Schriftenarchiv des Heimatvereins ist immer dienstags von 17 bis 19 Uhr im Rathaus (Westeingang) geöffnet. Terminvereinbarungen sind unter Telefon 04442/886100 oder bei Alfons Nordlohne, Telefon 4910 oder Gert Hohmann, Telefon 6148, möglich.

Foto: hib - Archivarbeit: Alfons Nordlohne (links) und Gert Hohmann kümmern sich um das Schriftenarchiv des Heimatvereins.

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